ARBEITSGEMEINSCHAFT PÄDIATRISCHE IMMUNOLOGIE

PÄDIATRISCHE IMMUNOLOGIE (API) e.V.

Informationen zu SARS-CoV2 und COVID-19

Stand der Informationen: 19.03.2020


Es handelt sich bei der COVID-19-Pandemie um ein sehr dynamisches Geschehen. Empfehlungen und Anweisungen des Robert-Koch-Instituts und der Behörden können sich stündlich ändern und können über die hier getätigten Empfehlungen hinaus gehen oder ersetzen!



Coronavirus - was ist das?

Im Dezember 2019 wurde ein Ausbruch von Pneumonien (Lungenentzündungen) in Wuhan (China) berichtet, der von dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht wird.


COVID-19-Pneumonie - was ist das?

Eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 kann zu einer COVID-19-Pneumonie (Lungenentzündung) führen. Symptome einer COVID-19-Pneumonie sind hohes Fieber, Husten und Atemnot, ähnlich wie bei einer Influenzainfektion. Daten zur Epidemiologie von COVID-19 sind weiterhin unzureichend. Der schon jetzt bekannte Unterschied zur Influenza ist, dass sich das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 schneller auf mehr Menschen verbreitet und Krankheitsverläufe dann sehr schnell verlaufen können.

Bei nachgewiesener Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sollte Kontakt zum betreuenden Immundefektzentrum aufgenommen werden.


Wie ist die derzeitige Situation? Wie sind die Verbreitungswege? Welche Symptome zeigen infizierte Patienten?

Für aktuelle Informationen verweisen wir auf die Homepage des Robert-Koch-Instituts.

Generell gilt aber, dass vor alle Patienten mit Vorerkrankungen, wie auch angeborenen Immundefekten, gefährdet scheinen und zu den sogenannten "Risikopatienten" zählen. Für diese Patientengruppe gibt es zusätzliche Informationen und Hilfestellungen HIER.


Wie schätzt die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Immunologie (API) die Situation für Patienten mit angeborenen Immundefekten ein?

Patienten mit angeborenen Immundefekten sind Risikopatienten. Durch das weniger gut reagierende Immunsystem können diese Patienten nach einer Infektion schwerer erkranken. Die empfohlenen Schutzmaßnahmen sind vom RKI HIER zusammengefasst. 

Zusätzliche Maßnahmen sollten Patienten mit angeborenen Immundefekten mit dem behandelnden Ärzten besprechen, welche die Empfehlungen an die individuelle Erkrankung und das lokale Erkrankungsrisiko anpassen kann.


Mögliche zusätzliche Maßnahmen sind:

  • Verzicht auf die Teilnahme an Veranstaltungen mit vielen (>5) Menschen.
  • Home-office-Arbeit falls möglich (mit Arbeitgeber besprechen)
  • Kein Besuch von Schule, Kindertagesstätte oder anderer Kinderbetreuungseinrichtung. Dies gilt auch für Geschwisterkinder. Kinder sollten nicht von Menschen, die älter als 60 Jahre sind, betreut werden.
  • Einkaufengehen falls möglich an Gesunde abgeben.
  • Verschieben von Routinebesuchen in medizinischen Ambulanzen
  • Einschränken der Reisetätigkeit. Bei notwendigen Reisen in oder innerhalb von Risikogebieten Schutzmaske tragen.


Sollte die Immunglobulin-Dosis oder die Begleitmedikation geändert werden?

IIntravenöse oder subkutane Immunglobulingabe schützt Patienten mit Antikörpermangel vor vielen Infektionen, insbesondere auch vor Atemwegsinfektionen, und sollte auf jeden Fall weiter durchgeführt werden. Falls die Immunglobulindosis bisher nicht ausreichend war, sollte sie nun angepasst werden. DIe Immunglobulingabe schützt aber nicht vor Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV2. Eine Erhöhung der Immunglobulindosis hat ebenfalls keinen schützenden Effekt. 


Sollten antientzündliche oder immunsuppressive Medikamente vermieden werden?

Es gibt bisher keine klaren Daten dazu, ob die angwandten therapeutischen Dosen dieser Medikamente den Krankheitsverlauf von COVID-19 beeinflussen. Daher gilt: Immunsuppressive Medikamente sollten nicht prophylaktisch vermindert oder gar abgesetzt werden.

Zum Einsatz von Ibuprofen gibt es eine Stellungnahme der EMA (Arzneimittelagentur der Europäischen Union) vom 18.03.2020, deren Inhalt HIER auf Deutsch zusammengefasst wurde.


Welche weiteren speziellen Informationsquellen gibt es für Patienten mit Immundefekten?

 

Die internationale Patientenorganisation für Immundefekte IPOPI hat wichtige Informationen zu häufigen Fragen HIER zusammengestellt (auf Englisch).


Wie kann ich selbst helfen, dass Informationen zu COVID-19 bei Immundefektpatienten zuverlässiger werden?

 

Sollte bei Ihnen eine Infektion mit SARS-CoV2 nachgewiesen werden (mit oder ohne Symptomen), informieren Sie bitte Ihre*n behandelnde*n Immundefektspezalist*in über die Infektion und bitten Sie sie/ihn, diese Infektion in einem eurpäischen Patientenregister zu melden.

“IPOPI is participating in the launch of a global survey on COVID-19 and PIDs, working jointly with International Union of Immunological Societies and other medical societies. Please help us by disseminating the following survey to your national medical advisers and all national doctors who you know are managing PID patients in your country: https://www.surveymonkey.com/r/67RBPNZ?


Kommentar der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Immunologie (API) zu den Empfehlungen zu "Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und Intensivmedizin im Kontext der COVID-19-Pandemie"

In ihren klinisch-ethischen Empfehlungen zu "Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und Intensivmedizin im Kontext der COVID-19-Pandemie" vom 25.03.2020 nennt die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) "schwere und irreversible Immunschwäche" als ein Kriterium, das "(…) in der Regel mit einer schlechten Erfolgsaussicht intensivmedizinischer Massnahmen verbunden (…)" sei.

Als Fachvertreter für Patienten mit angeborenen Immundefekten möchte die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Immunologie (API) diese Einschätzung wie folgt kommentieren:

"Patienten mit angeborenen Immundefekten zählen durch prophylaktische Immunglobulinsubstitution und prophylaktische antibakterielle Therapien mit wenigen Ausnahmen nicht zur Gruppe der schweren und irreversiblen Immunschwächen, auch wenn diese angeboren sind."